Amazon? Nein, danke. Wir wollen das Tschisi-Eis zurück. Rettet die Niemetz Schwedenbomben. Und auch Eine Zukunft für die kleinen Buchhandlungen. With all that in mind thematisiert The Gap im aktuellen Heft (Nr. 134) Kundenaktionismus und wie sinnvoll er wohl ist. Was Johanna Stögmüller, Petra Baumgartner und Nardo Vogt dazu meinen, lest ihr in besagtem Magazin für Glamour und Diskurs.
Mein Beitrag war dieser hier:
Die Buchbranche wettert gegen den Online-Riesen Amazon. Lauscht man dem wütenden Buchhändler-Mob, ist Eigentümer Jeff Bezos das personifizierte Böse, das seine Angestellten ausbeutet, keine Steuern zahlt und den kleinen Buchhändler zu Staub zertrampelt. Nicht, dass das keine guten Gründe wären, den Konzern zu boykottieren, aber Robin-Hood-Attitüde mal beiseite, worum geht es hier eigentlich wirklich? In Wahrheit wären wir Buchhändler auch keine Amazon-Fans, wenn es sich dabei um einen Musterbetrieb handelte. Hier geht es nicht um moralische Überlegenheit, sondern um Geld. Amazon casht im großen Stil ab, während wir – die kleinen Buchhändler – einen weinerlichen Feldzug führen, der nicht zu gewinnen ist. Um Firmen wie Amazon einen fühlbaren Schaden zuzufügen, bräuchte es Boykotte ganz anderer Dimensionen. Doch diese zu erreichen erscheint unwahrscheinlich. Den meisten Leuten könnte es nämlich egaler nicht sein, wie viel der Packer verdient, der ihr Produkt in ein Kuvert steckt. Für Bequemlichkeit wirft der Mensch seine Prinzipien über den Haufen. Mit welchem Argument beschweren sich eigentlich Unternehmer, die ihre Geschäftsstrategie von vor 25 Jahren beibehalten haben, während die Welt sich mit jedem Augenblick ändert? Homepage – zu teuer. Facebook – brauchen wir nicht. Setzt sich eh nicht durch, dieses Internet.
Kaufen ist wie wählen. Durch unser Konsumverhalten bestimmen wir die Welt, in der wir leben, mit. Wie Wähler wollen auch Kunden überzeugt werden. Dafür genügt es im Jahr 2013 nicht mehr, sich auf seiner Laden-um-die-Ecke-Romantik auszuruhen und auf seine älteren Rechte zu pochen. Die Frage ist nicht, ob Großkonzerne das Böse sind, sondern, was wir aktiv tun, um uns besser zu vernetzen und um dem Kunden zu vermitteln, dass wir die bessere Alternative sind. Ein “Amazon? Nein, danke”-Schild in der Auslage wird dafür jedenfalls nicht ausreichen.

